Biene Am Hof

Bericht aus dem Frau Holle Land

Liebe Ernteteiler und HappyHennen-Paten,
nachdem wir uns bisschen vom Hitze- und Beregnungsstress der letzten Wochen erholt haben, möchten wir euch noch von unserer Exkursion ins Frau Holle Land im Rahmen unseres Saatgutvermehrungskurses erzählen. Das war ja der Grund, warum letztens die Lieferung schon am Donnerstag kam. Das Frau Holle Land ist am obersten Zipfel von Thüringen, dem sogenannten Eichsfeld, südlich von Göttingen. Dort waren wir im Dorf Schönhagen, was etwas größer ist als Poppenreuth, aber nicht wesentlich. Außerdem ist es am Talschluss, also ein Sackgassendorf, was Poppenreuth ausdrücklich nicht ist 😉 In Schönhagen gibts sensationeller Weise drei Bio-Saatgutbetriebe, die alle Mitglieder der Dreschflegel GbR  sind und ihr Saatgut darüber vertreiben. Zwei Betriebe werden von eingewanderten Bio-Wessis geführt, einer von einer eingewanderten Sächsin. Dann gibt es noch einen Bio-Hof von nach der Wende eingewanderten Bio-Wessis. AfD gibts dort auch. Also insgesamt sehr hm bunt. Die Landschaft dort ist wirklich wunderschön, richtiges Mittelgebirge, totale Urlaubsempfehlung. Außerdem sind dort alle tradtionell katholisch und in jedem Kaff gibt es alte und spezielle Kirchen. Wenn wir noch ein Leben mit vielen Urlauben hätten, würden wir dort mal mit dem Rad hinfahren und alles abgrasen. Wirklich schön dort. An den drei Tagen haben wir alle Betriebe besucht, wobei einer gerade im Sabbatjahr ist, was im Samenbau eigentlich gut geht. Also haben wir v.a. den Acker von Maren und den von Jens besucht. Jens ist der Typ in dem hellblauen T-Shirt auf dem Foto unten, Ingrid die mit dem Ingrid-Hut von hinten. Beide machen ihre Betriebe seit über 20 Jahren und das völlig hardcore-bio so wie wir. Auch die machen sich richtig viele Gedanken über den Boden, die Artenvielfalt und eine regenerative Landwirtschaft, die den Boden aufbaut und nicht auslaugt. Eigentlich müsste man solche Bio-Betriebe nochmal extra kennzeichnen, weil mit dem Aldi-Bio hat das gar nichts zu tun. Das ist bio-bio-bio. Man kann das für übertrieben halten, aber finden wir eigentlich nicht, eigentlich müsste das der Maßstab, der Standard sein. Beide geben sich wahnsinnig Mühe in der Selektion der Samenträger. Die achten wirklich drauf, dass sie über Jahre nur die stärksten und ans Klima angepasstesten Pflanzen vermehren, was ja die Qualität erhöht, aber die Quantität senkt. Da fließt richtig Hirnschmalz und permanentes Überprüfen rein, so dass es nicht nur körperlich, weil mit so wenig Maschinen wie wir, sonder auch kognitiv total anspruchsvoll ist. Jens vermehrt auch so Evolutionsreihen von Getreide. Da kann man zB beim Weizen die ganzen Vorstufen sehen, also wie der Weizen vom Wildgras zum heutigen Kulturweizen wurde. Das ist super aufwendig und ineffizient und das ernten von Wildgrassamen und irgendwelchen buntbespelzten Weizenvorläufern eine Totalkatastrophe, aber es ist auch super interessant und ja total wichtig für unsere Kulturgeschichte und fürs Kapieren, wo überhaupt unsere Nahrungspflanzen herkommen. Wer von euch hat sich schon mal Gedanken über die Entstehung von Weizen gemacht, den wir ja sooo viel essen? Also wir vorher auch nicht, aber jetzt haben wir es gecheckt. Das Gemüse und die Pflanzen, die wir tagtäglich essen, sind alles Ergebnisse jahrhundertelanger Selektionen durch Menschen, die sich da reingedacht haben aus der Notwendigkeit für ihren Standort das passende Saatgut zu haben. In Zeiten der Globalisierung denkt ja niemand mehr so, weil das Saatgut gehört den Konzernen und man baut die gleichen Sorten weltweit an. Dank Bewässerung, Düngung und Spritzmitteln ist das ja alles quasi beliebig geworden, weil überall möglich. Welchen Preis dieses Vorgehen hat, verstehen die meisten, wenn überhaupt, ja erst jetzt langsam. Jens und Maren wollen und können natürlich nicht für Bayer Saatgut herstellen. Bayer hat ja gar kein samenfestes Saatgut im Angebot und beide machen ausschließlich solches. Außerdem kann man die Samenträger des Bayer-Saatguts gar nicht in ausreichender Qualität in Bio anbauen, weil das packen die Pflanzen gar nicht. Als Tritt in den Konzernhinter ist die Dreschflegel GbR auch gegründet worden. In Corona hat deren Geschäft geboomt, aber hinterher gabs einen so starken Absatzeinbruch, der heute noch nachwirkt. Saatgut wird einem ja mittlerweile auch wirklich fast überall hinterhergeschmissen und dank der dürftigen Kennzeichnungspflicht weiß man ja gar nicht, was man da eigentlich von wem kauft. Wenn nicht ausdrücklich „samenfest“ draufsteht, kann man eh davon ausgehen, dass es eine F1-Sorte von einem Großkonzern ist, die vllt noch nett von einer anderen Firma abgepackt wurde. Mit Umverpacken kann man ja leider mehr Geld verdienen als mit eigener Produktion. Ein Topfen ist das alles… Trotzdem sind Menschen wie Jens und Maren, die auch viele wunderschöne Blumenarten für verschiedenste Insekten vermehren, für uns total wichtig und wir halten deren Arbeit für auszeichnungswürdig, ja für vorbildlich. Beide verdienen ihr Geld aber größtenteils und notgedrungen mit was anderem. Maren hat ne Stelle auf einem größeren Bio-Hof und Jens hat noch eine Ziegenherde, mit der er die Naturschutzgebiete abgrast und Subventionen erhält. Tja, so siehts aus auf der schönen Welt… Überlegt euch mal, ob ihr so ne Getreideevolutionsreihe unter die Menschheit bringen könnt, zB in Schul- oder Gemeinschaftsgärten oder sonstigen Bildungseinrichtungen. Mehr als versuchen, den Menschen zum Denken zu bringen, kann man ja eh nicht, aber vielleicht ist es ja nicht aussichtslos. Hoffnungsvolle Sommergrüße von euren Alawis! 

Exkursion ins Frau Holle Land im Rahmen unseres Saatgutvermehrungskurses
In der Erntekiste
Zucchini, Stangensellerie, Brokkoli oder Rote Bete, Salat, frisch gepflückte Mirabellen und eine wunderschöne Lauchblüte für die Vase. 


Die HappyHennen liefern fleißig an alle Patinnen und Paten.
Der Stangensellerie, der morgen in der Kiste und unten auf dem Foto ist, hat Hitzeschäden. Er bräuchte bei den Temperaturen der letzten Wochen eine kontinuierliche Bewässerung, die wir ihm aber nicht bieten können. Wir können die Beregner nur der Reihe nach laufen lassen, weil sonst der Wasserdruck nicht ausreicht, um die Flächen zu bewässern. Deswegen ist der Stangensellerie erst wieder dran, wenn alle anderen Gemüse auch dran waren. Sonst gäbs zwar herrlichen Stangensellerie, aber sonst gar nichts mehr, wirklich nichts. Da dass ja nun nicht Sinn der Sache sein kann, müsst ihr bitte morgen die verbrannten Stellen wegtun und gucken, ob die äußeren Stiele holzig = innen weiß sind oder nicht. Die Herzen sind auf jeden Fall nicht holzig und das Holzige könnte man trotzdem auch in einer Suppenbrühe verkochen. Uns war er trotz allem zu schade, um ihn ausschließlich den Schweinchen zu füttern. Wir hoffen, ihr sehts genauso.
Der Stangensellerie, der morgen in der Kiste und unten auf dem Foto ist, hat Hitzeschäden
Spaghetti alla Nerano

300 g Spaghetti
100 ml Olivenöl
600 g Zucchini
100 g Parmesan
2 Knoblauchzehen
Basilikum
eine Hand vollSalz, Pfeffer, nach Bedarf1-2 Kellen Pastawasser
Zucchini waschen, Enden abschneiden und in ca 0-5cm dünne Scheiben schneiden.Knoblauch schälen und andrücken.Parmesan ggfs. reiben.Eine große Pfanne mit dem Olivenöl auf mittlere Stufe erhitzen ~160°c, und Zucchini darin anbraten. Dauert ca. 5-10 Minuten, geht in 1-2 Durchgängen.Währenddessen Nudelwasser aufsetzen und salzen.Zucchini aus der Pfanne in eine Schüssel umfüllen, ein paar als Deko/Topping zur Seite legen. Und die Hälfte des Öls aus der Pfanne herausnehmen. Und Knoblauch auf niedriger Hitze darin anschwitzen.Pasta nun 1 Minute weniger Kochen als angegeben.Währenddessen Creme herstellen: Zucchini mit Basilikum & Parmesan pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.Knoblauch aus der Pfanne raus, Creme in die Pfanne rein und mit 1-2 Kellen Pastawasser cremig rühren.Pasta dazu sobald diese al dente ist und gut verrühren.1-2 Minuten bei niedriger Hitze ziehen lassen. Ggfs. mit weiterem Pastawasser, Salz und Pfeffer verfeinern. Servieren und mit den restlichen Zucchini toppen.
Biene Am Hof